Flüchten, bauen, wohnen

Bewohner der Indianersiedlung wollen mit Flüchtlingen Häuser bauen. Der Plan könnte sogar klappen.

Die Siedlung am Kalscheurer Weg liegt abgeschieden zwischen Zollstocker Südfriedhof und Bahngleisen. Auf der Pferdekoppel genießen ein paar Halbstarke den Spätsommerabend, und manchmal fährt ein Bulli durch die schmalen Stichstraßen. Tafeln informieren über die nächsten Sitzungen der Siedlungsgenossenschaft. Bauwagenromantik und Gartenzwerge — hier in der sogenannten Indianersiedlung passt das wunderbar zusammen. Wie dieser Ort wohl auf einen neu angekommenen Flüchtling wirkt?

Bereits im Jahr 2014 beschloss der Kölner Rat, auf einer Wiese gleich neben der Siedlung Container aufzustellen und darin Flüchtlinge unterzubringen. »Wie erwarten das mit gemischten Gefühlen, aber die Flüchtlinge hätten es hier natürlich viel besser als in Turnhallen«, sagt Georg Brombach aus dem Vorstand der Siedlergenossenschaft. Eigentlich haben er und die anderen Mitglieder aber ganz andere Vorstellungen davon, wie ein gutes Zusammenleben mit Flüchtlingen gelingen könnte.

Und die sehen so aus: Gemeinsam mit anerkannten Flüchtlingen wollen sie auf einem Nachbargrundstück 20 Häuser mit 40 bis 50 Wohnungen bauen und dort anschließend auch mit ihnen einziehen. Außerdem sollen ein Haus für altersgerechtes Wohnen sowie ein Quartiersladen entstehen und die jetzt schon als »Dorfanger« genutzte Wiese als sozialer Treffpunkt erhalten bleiben. »Wir wollen unsere Siedlung mit gemischten Wohnformen erweitern, die eine echte Integration ermöglichen«, so Brombach. Die Kleingärten zwischen Dorfanger und Siedlung allerdings müssten dem Projekt weichen. »Das wird natürlich Proteste geben«...

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Ein Artikel von Anne Meyer
Stadtrevue, 10.2016